Wir greifen fast automatisch zum Smartphone, sobald wir eine freie Sekunde haben. Aber wieso eigentlich?
Der Moment vor der Entscheidung
Direkt vor der Entscheidungsfindung setzen hoch stimulierende Apps an.
Momente direkt vor einer Entscheidung bzw. direkt nach einer Aktion nennt man liminale Phasen (Übergangsmomente). Das Gehirn hat eine kurze Pause, beispielsweise direkt nach dem Aufstehen, während man auf den Bus wartet oder nachdem man sich an den Arbeitsplatz gesetzt hat, und verknüpft diese Pause mit Langeweile oder leichtem Unbehagen. Genau in dieser liminalen Phase positionieren sich Social Media-Apps als Lösung, um das Unbehagen zu bekämpfen.
Sobald die Entscheidungsfindung gekapert wurde, geht es in die zweite Phase über.
Der Weg des geringsten Widerstands
Die Entscheidung, was als nächstes gemacht werden soll, wird einem möglichst einfach gemacht: Wähle die Social Media App, damit dein Gehirn sich wohl fühlt.
Auf TikTok zu klicken und das erste Video zu gucken geht innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde. Die ersten Videos sind bereits im Vorhinein geladen, damit man nicht noch darauf warten muss. Es erfordert keine Anstrengung für das Gehirn, es muss keine Entscheidungen treffen oder irgendwelche kognitiv schwierigen Aufgaben lösen. Sich sein Dopamin “abzuholen” wird dem Gehirn durch solche Social Media Apps extrem einfach gemacht.
Die Wohlfühloase
Damit sich das Gehirn auch an diese Reize erinnert, wird das Dopaminsystem des Gehirn gezielt als Antrieb genutzt. Es lernt sehr schnell: Wenn ich diesen Knopf drücke, dann erhalte ich sehr schnell und unvorhersehbar starke Reize.
Das Gehirn fängt also an, bereits in dem Moment, in dem die Langeweile entsteht, diesen Knopf, der zu einer so starken Dopaminausschüttung führt, vorzuschlagen. Der Variable-Ratio Schedule ist genau die Theorie, die das Verlangen nach der App im Gehirn hervorruft.
Wir entscheiden also gar nicht mehr selbst, wie wir unsere Zeit nutzen - die Apps haben dies schon längst für uns übernommen.