Als ich jung war, war die Welt noch still.

In meiner Kindheit wurde mein Leben nicht von stark stimulierendem Shortform-Content und Doomscrolling dominiert. Heute ist dies leider der Fall, denn die Welt ist voller Ablenkung.

Langeweile war immer etwas Grauenvolles, aber je älter ich werde, desto mehr freue ich mich über Zeiten, in denen ich nichts zu tun habe. Egal wohin ich gehe und egal welche Aufgabe ich mache, immer muss das gesamte Wahrnehmungspotential des Gehirns ausgereizt werden. Wenn eine Tätigkeit dies nicht tut, wird alles dafür getan, das Gehirn künstlich auszulasten.

Während ich diesen Text schreibe würde ich am liebsten Kopfhörer tragen, um Musik zu hören. Die Stille fühlt sich für mein Gehirn nicht so angenehm an.

Als Erwachsener ist man es gewohnt, seine gesamte Zeit produktiv zu verbringen. Man merkt überhaupt nicht, dass das Gehirn auch freie Zeit benötigt und fühlt sich sofort unproduktiv, sobald man sein Gehirn mal nicht vollständig auslastet. Alle Ruhezeiten werden automatisch mit neuer Arbeit, weiteren Aufgaben oder dem “Abschalten”, im Sinne vom Fernsehen gucken oder Zeitung lesen, gefüllt.

Das Gehirn braucht aber Ruhephasen, um gut und zuverlässig zu funktionieren.

Das Gehirn hasst Langeweile.

Genau dieses Tatsache wurde mithilfe von verschiedenen Studien gezeigt.

Experiment: Schocken gegen Langeweile

Probanden wurden in einen leeren Raum gesetzt. Der Raum enthielt nur einen Stuhl, auf dem die Probanden saßen und einen Tisch mit einem Knopf. Wenn die Probanden den Knopf drückten, dann erhielten sie einen Elektroschock. Dieser Elektroschock war nicht leicht, sondern hat den Probanden aktive Schmerzen zugefügt.

Dennoch haben viele Probanden nach ungefähr 10 Minuten der Stille und Langeweile den Drang empfunden, den Knopf mehrfach zu drücken, damit die Langeweile aufhört. Sie haben damit den Schmerz, als Stimulus, der Langeweile vorgezogen.

Das Experiment zeigt, dass man jede mögliche Tätigkeit ausführt, nur um aus seiner Langeweile zu entfliehen. Sich in einem leeren Raum zu setzen und nur seine Mathe Hausaufgaben und einen Stift vor sich liegen zu haben, führt also zu einer hohen Wahrscheinlichkeit dazu, dass man diese nach einiger Zeit einfach beginnt, anstatt sich noch länger langweilen zu müssen.

Erkenntnis

Diese Erkenntnis ist eigentlich sehr schön. Man muss sich also nicht immer zwingen eine Sache zu beginnen, auf die man keine Lust hat. Man muss dem Gehirn nur sämtliche stark stimulierende Möglichkeiten entziehen, damit es die Lust entwickelt, sich auch leicht stimulierenden Aktivitäten zuzuwenden.