Die Kunst des Probierens oder wie ich sie lieber nenne, The Art Of Trying, stützt sich auch auf die Phasen des Lebens.

Es geht bei diesem Konzept darum, eigenständig künstliche Phasen im Leben zu erschaffen.

Das Problem

Wie ich bereits geschrieben habe, bedingen viele Phasen im Leben andere Phasen. Man muss also schon Phasen durchlaufen haben, um neue Phasen erreichen zu können. Einige Phasen sind jedoch auch unerreichbar und die nötigen Fähigkeiten, um diese Phasen zu erreichen, können nur durch das stetige Probieren erlernt werden.

Das stetige Probieren ermöglicht es einem Individuum eine unerreichbare Phase zu erreichen, indem es sich vorher in eine künstlich kreierte Phase begibt. Diese künstliche Phase lehrt dem Individuum dann die nötigen Fähigkeiten, die es in der zu erreichenden Phase braucht.

Ein Beispiel, welches prägnant im Leben von den meisten Personen ist, ist es, das Mädchen seiner Träume nach einem Date zu fragen. Der Übergang in die Datingphase beinhaltet jedoch einiges an Mut, Selbstvertrauen und Überwindung. Das Aneignen dieser Fähigkeiten könnte in einer künstlichen Phase geschehen.

Die künstliche Phase

Die künstliche Phase ist, wie jede andere Phase auch, ein Lebensabschnitt eines Individuums. Diese Phase ist erzwungen und dient nur dazu, eine andere Phase zu erreichen. So gesehen ist das Individuum gezwungen den Output dieser Phase selbst zu beeinflussen.

Dies geschieht über, wie ich es nenne, die Kunst des Probierens.

Man probiert in dieser künstlichen Phase eigentlich nur, in die nächste Phase zu gelangen, indem man die nötigen Fähigkeiten der nächsten Phase anwendet. Das was jedoch wie verzweifelte Versuche aussieht, sind eigentlich eine Anreihung von wichtigen Feedbackschleifen für die nötigen, zu erlernenden, Fähigkeiten.

Man muss dabei davon ausgehen, dass die ersten Anläufe, die nötigen Fähigkeiten anzuwenden, alle scheitern werden. Dies ist nicht sonderlich überraschend, weil man natürlich gerade dabei ist, diese Fähigkeiten zu erlernen. Indem man wieder und wieder probiert und seinen Weg regelmäßig reflektiert, hat man, langfristig gesehen, sehr gute Chancen, die nötigen Fähigkeiten zu erlernen.

Die künstliche Phase ist das wiederholte Scheitern und Reflektieren.

Rekursion in künstlichen Phasen

Besonders hilft es, wenn man die künstliche Phase selbst auch noch in künstliche Phasen aufteilt. Einige Fähigkeiten, die man zum ersten Mal probiert, basieren auch auf Fähigkeiten, die man noch nie probiert hat.

Wenn man zum ersten Mal Nudeln kocht, dann sollte man es zuerst schaffen, Wasser zu kochen. Auch, wenn dies sehr banal klingt, hilft es einem, wenn man vorherige Fähigkeiten beherrscht, deutlich schneller und sicherer zu neuen Fähigkeiten zu progressieren.

So sollte man große zu erlernende Fähigkeiten in kleinere Schritte aufteilen und somit zuerst kleinere Phasen des Erlernens durchlaufen. Auch, wenn diese Phasen dann nur wenige Minuten, Stunden oder nur einige Tage lang dauern, helfen sie einem ungemein, große Phase zu erreichen.

Dies erinnert stark an das Konzept Das Leben als Prozess.

Gedankenspiel

Anhand obigen Beispiels lässt sich das Konzept eigentlich ganz gut darstellen. Man möchte die Frau seiner Träume ansprechen und nach einem Treffen fragen. Die simpelste Variante ist es natürlich, dies direkt zu tun und auf das Beste zu hoffen. Dadurch kann man jedoch einzelne Fehler, die man machen könnte nicht berücksichtigen bzw. ist nicht darauf vorbereitet.

Wichtig ist es, sich klar zu machen, woran es liegt, dass man sie nicht anspricht. Ist es der fehlende Mut? Ist es die Unsicherheit? Ist es die Erfahrung? Wenn man dies einmal gemacht hat, dann kann man Stück für Stück daran arbeiten.

Ich möchte hiermit jedoch nicht dazu aufrufen, dass man diese Fähigkeiten übt, indem man jede Person auf der Straße nach einem Date fragt, sondern es können auch ganz andere, aber ähnliche Interaktionen sein.

Wenn es einem an Mut fehlt, dann spricht man mal eine fremde Frau an und fragt sie nach dem Weg zum nächsten Kino. Dies kann man dann einige Male machen, bis man sich mit dieser Art der Interaktion wohl fühlt. Im nächsten Schritt könnte man dann fremde Personen ansprechen und ihnen ein kleines Kompliment geben. Wenn dieser Schritt für einen noch zu groß ist, kann man natürlich etliche weitere kleinere Abstufungen dazwischen ansetzen.

Wichtig ist nur, dass man sich Stück für Stück traut, neue Dinge zu probieren, um irgendwann den einen großen Schritt zu machen. Die Dauer dieser künstlichen Phasen hängt sehr stark vom Individuum selbst ab. Man kann entweder einige Wochen, Monate oder auch nur Tage damit verbringen, sich die nötigen Fähigkeiten anzueignen.

Von Fähigkeiten im Dating zu sprechen ist vielleicht nicht ganz richtig. Ich möchte in meinem Beispiel eher darauf hinaus, dass man sich überhaupt traut, Neues auszuprobieren. Die Fähigkeit, ist also das Überwinden der Emotionen, die einen zurückhalten.

Auch wenn all diese Konzepte sehr theoretisch klingen, basieren sie auf einem grundlegenden Gedankenspiel, der die beiden Extreme vergleicht. Das Gedankenspiel habe ich bereits in Glück finden angeführt.

Es wird sich zeigen, dass die Person, die es überhaupt probiert, eine höhere Wahrscheinlichkeit hat, etwas zu erreichen, als die Person, die es nicht probiert. Somit lohnt es sich überhaupt nicht, es nicht zu probieren, selbst wenn man bei einer künstlichen Phase mit einer sehr simplen Fähigkeit beginnt.